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      Welchen Whisky macht St. Kilian? 5 Dinge, die ihn schottisch im Stil machen

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      Wie schottisch ist ein Single Malt aus Unterfranken? Fünf Dinge zu Brennblasen, Gärung, Rauch und Torf, Fassprogramm und Reifung bei St. Kilian, mit Lucky & Punch als Beispiel.
      Michael Mittermeier in der Brennerei von St. Kilian in Rüdenau, neben den Produktionsanlagen aus Edelstahl

      Welchen Whisky macht St. Kilian? 5 Dinge, die ihn schottisch im Stil machen

      St. Kilian macht in Rüdenau in Unterfranken Single Malt nach schottischem Vorbild: gebrannt in zwei Kupferbrennblasen der schottischen Firma Forsyths und zweifach destilliert, in zwei Hausstilen, ohne Rauch und stark getorft, aus mehr als 370 Fassarten und gereift in ehemaligen Munitionsbunkern im Odenwald. Auch Lucky & Punch von Michael Mittermeier, zwei Single Casks aus einem ehemaligen Moscatel Fass und einem ehemaligen Tawny Port Fass, stammen aus diesem Programm.

      Das Wichtigste in Kürze

      • Zwei Kupferbrennblasen mit je 6.000 Litern und Schwanenhals stammen von Forsyths in Rothes. Der Whisky wird langsam zweifach destilliert.

      • St. Kilian arbeitet mit einem traditionellen Maischebottich und vier Gärbottichen aus Holz. Eine getorfte Charge gärte laut Destillerie mehr als 70 Stunden.

      • Es gibt zwei Hausstile: Classic ohne Rauch und Peated aus stark getorftem Malz aus den schottischen Highlands, laut Produktseite mit 80 ppm.

      • Die Destillerie nennt mehr als 370 Fassarten. Die Kernsorten reifen zu 70 Prozent in ehemaligen Bourbonfässern und zu 30 Prozent in Sherryfässern.

      • Lucky & Punch sind je 500 Flaschen aus zwei Einzelfässern: Lucky aus einem ehemaligen Moscatel de Setúbal Fass, Punch aus einem ehemaligen Tawny Port Fass.

      Tipp: Probieren Sie Classic und Peated nebeneinander. Fassmischung und Brennblasen sind gleich, der Unterschied liegt vor allem im Malz.

      Zwei Kupferbrennblasen aus Rothes, zweifach destilliert

      Das Herz der Destillerie sind zwei Kupferbrennblasen mit je 6.000 Litern. Sie haben einen Schwanenhals und stammen laut St. Kilian von Forsyths in Rothes, einer der bekanntesten Kupferschmieden Schottlands. Planung und Bau dauerten rund vier Jahre, bis am St. Patrick's Day 2016 der erste Brand durch diese Brennblasen lief.

      Das Destillat läuft zweimal durch die Brennblasen. Die Destillerie spricht in einer Pressemitteilung von 2023 von langsamer zweifacher Destillation, so wie sie auch für schottischen Single Malt üblich ist. Zu Schnitten und Destillationsstärke macht St. Kilian öffentlich keine Angaben.

      Maischebottich und Gärbottiche aus Holz

      Vor der Destillation steht die Herstellung der Würze. St. Kilian nennt einen traditionellen Maischebottich und vier Gärbottiche aus Holz. Laut Destillerie braut sie dort ein hopfenloses Bier, das sie Distillers Beer nennt und das rund 8 % vol hat. Bei einer getorften Charge gärte es nach Angaben der Destillerie mehr als 70 Stunden. Welche Hefe verwendet wird, gibt St. Kilian nicht an.

      Die Menschen dahinter

      Gründer ist Andreas Thümmler, früher Technologie Investmentbanker und Whiskysammler. Die Idee entstand Ende 2011 mit seinem irischen Freund David F. Hynes, den die Destillerie die „irische Whisky Legende aus Dublin“ nennt. Master Distiller war bis Juli 2026 Mario Rudolf, laut St. Kilian Braumeister aus Amorbach, der die Whiskys elf Jahre lang prägte. Laut about-drinks.com führen nun Inhaber Andreas Thümmler und Sales & Marketing Director Kai Bentlage das Unternehmen gemeinsam mit den Zwillingen Kim Dippel (vor allem Produktion) und Kevin Dippel (vor allem Betrieb). Thümmler sagte 2022 im Gespräch mit about-drinks.com, man wolle Whisky so authentisch herstellen wie in Schottland.

      Zwei Hausstile: ohne Rauch und stark getorft

      St. Kilian verarbeitet zwei Arten von Gerste. Für die milden Whiskys kommt Malz aus Deutschland, für die rauchigen Whiskys Torfmalz aus Schottland. Thümmler erzählte 2023, dass es von Glenesk Maltings geliefert wird und St. Kilian dort der einzige Kunde in Kontinentaleuropa ist.

      • St. Kilian Classic: die milde Sorte ohne Rauch, 46 % vol.

      • St. Kilian Peated: stark getorftes Gerstenmalz aus den schottischen Highlands, laut aktueller Produktseite 80 ppm, ebenfalls 46 % vol.

      Zur ppm Angabe hat die Destillerie selbst eine Erklärung veröffentlicht: Bis Mitte 2023 wurde das Malz mit einer farbmetrischen Methode gemessen und kam auf 54 ppm. Nach der Umstellung auf HPLC ergab dasselbe Malz einen Gesamtphenolgehalt von 80 ppm. Ältere Abfüllungen nennen deshalb noch 54 ppm. Wie Torf im Glas schmeckt, lesen Sie in Getorfter vs. ungetorfter Whisky.

      Mehr als 370 Fassarten, aber kein Finish

      St. Kilian spricht von mehr als 370 Fassarten, in denen sein Destillat reift. In den Kernsorten Classic und Peated liegen laut Destillerie rund 70 Prozent in ehemaligen Bourbonfässern und rund 30 Prozent in Pedro Ximénez und Oloroso Sherryfässern. In einer Pressemitteilung von 2023 hielt St. Kilian außerdem fest, dass die Whiskys nicht veredelt werden: Sie reifen von Beginn an im jeweiligen Fass, ohne zweite Fassreifung am Ende.

      Signature Editions als Spielwiese

      • Signature Edition Twelve: ungetorft, vier Jahre alt, 50,8 % vol. Sie reifte in Moscatel de Setúbal Barriques, Fässern aus Jamaika Rum und neuer amerikanischer Weißeiche.

      • Signature Edition Thirteen: getorft bis 54 ppm, 53,9 % vol, 8.680 Flaschen. Die Fässer bestehen aus Pfälzer Eiche, ungarischer Eiche, Robinie, Kastanie und Kirsche.

      • Signature Edition Fifteen: Torfmalz mit 80 ppm in ehemaligen Amarone Fässern, 53,3 % vol.

      Der Einstieg ist der First Kilian, der erste dreijährige Single Malt, vorgestellt im Mai 2019.

      Lucky & Punch: Moscatel und Port als Einzelfässer

      Für seinen ersten Whisky hat Michael Mittermeier bei St. Kilian in Rüdenau zwei Fässer selbst ausgesucht. St. Kilian Lucky by Michael Mittermeier 50cl stammt aus Cask Nr.9394, einem ehemaligen Moscatel de Setúbal Fass, und hat 46,7 % vol. St. Kilian Punch by Michael Mittermeier 50cl stammt aus Cask Nr.5914, einem ehemaligen Tawny Port Fass, ist mit 80 ppm stark getorft und hat 48,3 % vol. Es gibt je 500 Flaschen. Lucky kostet 59 €, Punch 59 €, das St. Kilian Lucky and Punch by Michael Mittermeier Set 118 €, jeweils plus Versand. Alles zur Edition finden Sie auf der Lucky & Punch Seite.

      Der Unterschied der beiden Fassarten steht in Moscatel oder Portwein?, die ganze Geschichte in Lucky & Punch: 7 Dinge, die Sie über Michael Mittermeiers ersten Whisky wissen sollten. Mittermeier stellt beide Whiskys bei der Whisky-Vorstellung am Freitag, 23. Oktober 2026, ab 17:00 Uhr im Spiritory Shop im Stemmerhof vor, Plinganserstraße 6, 81369 München.

      Gereift wird in Munitionsbunkern im Odenwald

      Ein Teil der Fässer liegt auf dem Gelände in Rüdenau, ein großer Teil in ehemaligen Munitionsbunkern im Wald, die die Destillerie Bunker City nennt. In einem Interview, das St. Kilian am 5. Mai 2023 veröffentlicht hat, sprach Thümmler von 120 Bunkern, von denen die Destillerie 15 besitze, mit Platz für 500 bis 600 Fässer je Bunker. Die dicken Wände halten die Temperatur laut Thümmler sehr gleichmäßig. Damals lagerten rund 10.000 Fässer, jedes Jahr kamen etwa 2.500 dazu.

      Thümmler vergleicht das Klima im Wald mit dem der schottischen Highlands und nennt das Gebiet die „Kilian Highlands im Odenwald“. Das ist seine Einschätzung, keine Messung, und zu Verdunstungsverlusten oder Reifegeschwindigkeit im Vergleich zu Schottland macht die Destillerie keine Angaben. Sicher ist die Regel: Ein Destillat darf sich erst nach mindestens drei Jahren im Holzfass Whisky nennen.

      Einen Überblick über die deutsche Szene gibt Deutscher Single Malt Whisky: Die Destillerien, die die Landkarte verändern.

      Tipp: Lesen Sie bei St. Kilian immer die Fassangabe auf dem Etikett. Bei so vielen Fassarten verrät sie oft mehr über den Stil als der Name der Abfüllung.

      Häufig gestellte Fragen

      Macht St. Kilian schottischen Whisky?

      Nein, St. Kilian macht deutschen Single Malt, aber nach schottischem Vorbild: Kupferbrennblasen von Forsyths in Rothes, zweifache Destillation, Maischebottich und Gärbottiche aus Holz und Torfmalz aus Schottland.

      Ist Whisky von St. Kilian getorft?

      Beides gibt es. Classic ist mild und ohne Rauch, Peated wird aus stark getorftem Malz gebrannt, laut aktueller Produktseite mit 80 ppm. Punch aus der Lucky & Punch Edition ist ebenfalls mit 80 ppm stark getorft.

      Welche Fässer nutzt St. Kilian?

      Die Destillerie nennt mehr als 370 Fassarten. Die Kernsorten reifen zu 70 Prozent in ehemaligen Bourbonfässern und zu 30 Prozent in Pedro Ximénez und Oloroso Sherryfässern, die Signature Editions nutzen unter anderem Moscatel, Amarone, Rum und heimische Hölzer.

      Wo reift der Whisky von St. Kilian?

      Auf dem Gelände in Rüdenau und in ehemaligen Munitionsbunkern im Odenwald. Laut Thümmler halten die dicken Wände die Temperatur sehr gleichmäßig.

      Was haben Lucky & Punch mit diesem Stil zu tun?

      Beide sind Single Casks von St. Kilian, die Michael Mittermeier selbst in Rüdenau ausgesucht hat: Lucky aus einem ehemaligen Moscatel de Setúbal Fass mit 46,7 % vol, Punch aus einem ehemaligen Tawny Port Fass, stark getorft mit 80 ppm, mit 48,3 % vol. Es gibt je 500 Flaschen.


      Über den Autor

      Christopher Deutsch

      Christopher Deutsch

      I drink and collect with intention, drawn to the sherried depth of Dalmore and the balance of Yamazaki.

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