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Moscatel oder Portwein? So unterscheiden sich die beiden Fässer von Lucky & Punch
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Moscatel oder Portwein? So unterscheiden sich die beiden Fässer von Lucky & Punch
Lucky (Cask Nr.9394) reifte in einem Fass, in dem zuvor Moscatel de Setúbal lag, ein süßer Likörwein von der portugiesischen Halbinsel Setúbal, und hat 46,7 % vol, während Punch (Cask Nr.5914) aus einem ehemaligen Tawny Port Fass stammt, mit 80 ppm stark getorft ist und 48,3 % vol hat. Andere Whiskys aus Moscatel Fässern wurden mit Orangenblüte und Zitrus beschrieben, solche aus Tawny Port Fässern mit Karamell und Trockenfrüchten. Laut den offiziellen Verkostungsnotizen zeigt Lucky florale und weinige Noten mit frischer Orange, Trockenfrüchten und karamellisierten Walnüssen, während Punch fruchtig ist mit roten Früchten und reifen Feigen und aschigen Rauch am Gaumen hat.
Das Wichtigste in Kürze
Lucky und Punch sind zwei Single Casks von St. Kilian Distillers aus Rüdenau in Unterfranken. Michael Mittermeier hat beide Fässer selbst bei St. Kilian ausgesucht. Es ist sein erster Whisky, und es gibt ihn nur auf Spiritory.
Lucky kommt aus Cask Nr.9394, ex Moscatel de Setúbal, mit 46,7 % vol. Punch kommt aus Cask Nr.5914, ex Tawny Port, stark getorft mit 80 ppm, mit 48,3 % vol. Es gibt je 500 Flaschen.
Moscatel de Setúbal ist ein süßer Likörwein von der Halbinsel Setúbal südlich von Lissabon mit der geschützten Herkunftsbezeichnung D.O. Setúbal. Tawny Port ist ein Portwein, der lange im Holz reift und dabei seine bernsteinbraune Farbe bekommt, so das IVDP.
Penderyn und The Whiskey Wash beschreiben Whiskys aus Moscatel Fässern mit Orangenblüte und Zitrus, aus Tawny Port Fässern mit Karamell und Trockenfrüchten. Das ist allgemeines Wissen über die Fassarten und keine Beschreibung von Lucky oder Punch.
Laut den offiziellen Verkostungsnotizen ist Lucky floral und weinig mit frischer Orange und karamellisierten Walnüssen, Punch dagegen fruchtig mit roten Früchten und reifen Feigen und aschigem Rauch am Gaumen.
Die Angabe 80 ppm bezieht sich auf das gemälzte Getreide, nicht auf den fertigen Whisky.
Tipp: Probieren Sie Lucky vor Punch. Torfrauch bleibt lange am Gaumen und kann feinere Noten im nächsten Glas überdecken.
Was ist Moscatel de Setúbal?
Moscatel de Setúbal ist ein Likörwein von der portugiesischen Halbinsel Setúbal südlich von Lissabon. Die regionale Weinkommission, die CVR Península de Setúbal (CVRPS), nennt als Grundlage die Rebsorten Moscatel de Setúbal oder Moscatel Roxo. Der Wein trägt die geschützte Herkunftsbezeichnung D.O. Setúbal. Er kommt ab 1,5 Jahren auf den Markt, für die Kategorie Superior sind mindestens fünf Jahre und eine hohe Bewertung durch eine Verkostungskommission nötig.
So entsteht der Wein
Das Weinmagazin The Buyer beschreibt die Methode. Während der Gärung wird Traubenbrand zugegeben. Das stoppt die Gärung, und ein Teil des Zuckers bleibt im Wein. Danach bleiben die Traubenschalen mindestens drei Monate im Wein, oft bis zu acht Monate. Die fertigen Weine haben laut The Buyer meist 16 bis 22 % vol und reifen mindestens 18 Monate im Stahltank oder im Eichenfass.
Wie der Wein schmeckt
Die CVRPS beschreibt Moscatel de Setúbal als goldfarben, mit starkem Zitruscharakter, süß und kompottartig. The Buyer ergänzt, dass junge Weine frische Orange, Zitrone und Blüten zeigen, ältere kandierte Orangenschale, geröstete Nüsse und Trockenfrüchte. Ein Fass, das diesen Wein enthielt, nimmt einen Teil davon ins Holz auf und kann ihn später zum Teil an einen Whisky weitergeben.
Was ist Tawny Port?
Portwein kommt aus dem Douro Tal im Norden Portugals. Wie Moscatel de Setúbal wird er mit Traubenbrand verstärkt und ist deshalb süß und kräftig. Tawny ist ein Stil, der lange im Holz reift. Nach Angaben des Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto (IVDP), der offiziellen Stelle für Portwein, sind die meisten Tawnies Verschnitte aus Weinen mehrerer Jahre. Mit der Zeit wird ihre Farbe heller und bernsteinbraun. Laut IVDP entwickelt sich dabei ein Bouquet von Trockenfrüchten und Holz, und je älter der Wein ist, desto stärker werden diese Aromen.
Die Kategorien im Überblick
Tawny: ein Verschnitt aus Weinen, die unterschiedlich lange in Fässern oder großen Holzbottichen gereift sind.
Tawny Reserve: mindestens sechs Jahre im Holz.
Tawny mit Altersangabe, etwa 10, 20, 30 oder 40 Jahre: ein Verschnitt aus Weinen mehrerer Jahre, die im Holz gereift sind.
Colheita: ein Tawny aus einem einzigen Jahrgang, mindestens sieben Jahre im Holz.
Für Punch ist nur „Tawny Port“ angegeben. Welche dieser Kategorien zuvor in Cask Nr.5914 lag, ist nicht bekannt.
Was die beiden Fassarten einem Whisky meist mitgeben
Ein Fass, das vorher Wein enthielt, gibt einem Whisky einen Teil dieses Weins mit, dazu Farbe und die Aromen des Holzes selbst. Wie stark das ausfällt, hängt von der Größe des Fasses, von der Zeit darin und vom Destillat ab. Die folgenden Beschreibungen sind deshalb allgemeines Hintergrundwissen über die Fassarten. Was die offiziellen Verkostungsnotizen zu Lucky und Punch sagen, steht am Ende dieses Abschnitts.
Moscatel de Setúbal Fässer
Die walisische Destillerie Penderyn beschrieb einen sechs Jahre alten Single Cask mit Nachreifung in ehemaligen Moscatel de Setúbal Fässern mit Orangenblüte, Zitrus, Orangenschale, Aprikose und Rosine, wie The Whiskey Wash 2022 berichtete. St. Kilian kennt diese Fassart: Die Signature Edition Twelve, ein vierjähriger Single Malt aus dem Jahr 2022, reifte laut der Destillerie überwiegend in 225 Liter Fässern, in denen zuvor Moscatel de Setúbal lag.
Tawny Port Fässer
Fässer, in denen Tawny Port lag, werden laut The Whiskey Wash mit Karamell, getrockneten Feigen und nussiger Fülle verbunden. Portweinfässer machen einen Whisky außerdem oft runder und weicher. Penderyn beschrieb einen sechs Jahre alten Single Cask mit Nachreifung im Tawny Port Fass mit Vanille, Karamell, Pflaume und roten Beeren. Auch Port kennt St. Kilian: Die Signature Edition Sixteen verbindet laut der Destillerie Destillate aus Portwein, Madeira und Moscatel de Setúbal Fässern.
Wie andere Fassarten wirken, erklärt unser Überblick zu den wichtigsten Fass Finishes.
Was die offiziellen Verkostungsnotizen zu Lucky und Punch sagen
Laut den offiziellen Verkostungsnotizen öffnet sich Lucky im Glas mit floralen und weinigen Noten und frischer Orange, dazu kommen Trockenfrüchte, karamellisierte Walnüsse, Honig und Toffee, getragen von cremiger Vanille und dezenter Eichenwürze. Am Gaumen zeigt er sich sanft, rund und ausgewogen: Honigsüße und Frucht weichen nach und nach cremigem Toffee und feinen Nussnoten. Im langen Nachklang bleiben Vanille, süßes Toffee und karamellisierte Walnüsse.
Punch beginnt laut denselben Notizen fruchtig mit roten Früchten und reifen Feigen, begleitet von dezenter Eichenwürze und einem Hauch Zimt. Am Gaumen ist er cremig und vollmundig, der aschige Rauch legt sich sanft über die fruchtigen und würzigen Aromen, ohne sie zu überdecken. Der lange Nachklang gehört dunkler Schokolade und harmonisch eingebundenem Rauch.
Warum Punch mit 80 ppm getorft ist
ppm steht für parts per million und misst den Gehalt an Phenolen, also den Stoffen, die den Rauch tragen. Laut ScotchWhisky.com bezieht sich der Wert auf das gemälzte Getreide, das in die Destillerie kommt, und nicht auf den fertigen Whisky. Beim Destillieren und während der Reifung geht ein Teil der Phenole verloren. Mehr dazu lesen Sie in Der PPM Mythos.
80 ppm ist für St. Kilian kein Sonderfall. Für den St. Kilian Peated nennt die Destillerie stark getorftes Gerstenmalz aus den schottischen Highlands mit 80 ppm. Auch die Signature Edition Fifteen entstand laut about-drinks.com aus schottischem Torfmalz mit 80 ppm.
Die Namen deuten den Gegensatz an. Lucky Punch heißt der Comedy Club, den Michael Mittermeier mit seiner Frau Gudrun betreibt. Für seinen ersten Whisky hat er den Namen geteilt: Lucky steht für das sanftere, süßere Fass, Punch für das Fass, das härter zuschlägt. Punch verbindet kräftigen Torf mit einem Fass, in dem zuvor ein süßer Portwein lag. Wie viel Rauch am Ende im Glas ankommt, hängt auch von der Destillation und der Reifung ab.
46,7 oder 48,3 % vol: Was die Trinkstärke verrät
Lucky hat 46,7 % vol, Punch 48,3 % vol. Der Unterschied beträgt 1,6 Prozentpunkte. Das klingt wenig, ist im Glas aber spürbar. Mehr Alkohol trägt Aromen kräftiger, wärmt stärker am Gaumen und verträgt eher ein paar Tropfen Wasser.
Beide Whiskys sind Single Casks. Jede Flasche einer Sorte kommt also aus genau einem Fass, und es gibt je 500 Flaschen à 500 ml. Beide sind weder gefärbt noch kühlgefiltert. Ob sie in Fassstärke abgefüllt oder mit Wasser auf Trinkstärke gebracht wurden, ist nicht angegeben. Was Fassstärke genau bedeutet, erklärt Was bedeutet Fassstärke?.
Auch die Zeit im Holz unterscheidet sich. Punch wurde im November 2020 destilliert, Lucky im Juli 2022. Punch hatte also gut anderthalb Jahre mehr Zeit im Fass.
So verkosten Sie Lucky und Punch nebeneinander
Gleiche Gläser, gleiche Menge: Nehmen Sie zwei gleiche Nosinggläser und gießen Sie jeweils etwa 2 cl ein. So vergleichen Sie nur den Whisky.
Lucky zuerst: Er hat weniger Alkohol, und nur Punch ist als getorft angegeben. Rauch bleibt lange am Gaumen.
Erst riechen, dann trinken: Achten Sie bei Lucky darauf, ob Sie Noten finden, die in den offiziellen Verkostungsnotizen genannt werden, etwa frische Orange oder florale Töne, und verlassen Sie sich auf Ihre eigene Nase. Achten Sie bei Punch darauf, wie Rauch und Süße zusammenspielen.
Wasser in kleinen Schritten: Geben Sie nach dem ersten Schluck ein paar Tropfen Wasser dazu. Bei höherer Trinkstärke kann das neue Aromen öffnen.
Zurück zum Anfang: Riechen Sie nach Punch noch einmal an Lucky. Viele Unterschiede werden erst im direkten Wechsel deutlich.
Notizen machen: Schreiben Sie zu Duft, Geschmack und Nachklang je ein paar Wörter auf. Trinken Sie zwischendurch einen Schluck Wasser.
Lucky und Punch gibt es nur auf Spiritory, dem Marktplatz für Whisky und Spirituosen aus München. Der Versand beginnt am 26. Oktober 2026, und am Abend selbst wird eine begrenzte Anzahl Flaschen im Shop verkauft. Michael Mittermeier stellt die beiden Whiskys bei der Whisky-Vorstellung am Freitag, 23. Oktober 2026, ab 17:00 Uhr im Spiritory Shop im Stemmerhof vor, Plinganserstraße 6, 81369 München, und ist persönlich vor Ort. Die ganze Geschichte hinter dem Whisky lesen Sie in Lucky & Punch: 7 Dinge, die Sie über Michael Mittermeiers ersten Whisky wissen sollten.
Tipp: Gießen Sie beide Whiskys ein paar Minuten vor dem Verkosten ein. Ein kurzer Moment an der Luft lässt den Alkohol etwas zurücktreten, besonders bei Punch mit 48,3 % vol.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lucky und Punch?
Lucky kommt aus Cask Nr.9394, einem ehemaligen Moscatel de Setúbal Fass, und hat 46,7 % vol. Punch kommt aus Cask Nr.5914, einem ehemaligen Tawny Port Fass, ist mit 80 ppm stark getorft und hat 48,3 % vol.
Was ist Moscatel de Setúbal?
Ein süßer Likörwein von der Halbinsel Setúbal südlich von Lissabon mit der geschützten Herkunftsbezeichnung D.O. Setúbal. Laut The Buyer wird während der Gärung Traubenbrand zugegeben, und die Traubenschalen bleiben mindestens drei Monate im Wein.
Was bedeutet 80 ppm bei Punch?
ppm misst die Phenole im gemälzten Getreide, also den Torfrauch, der in die Destillerie kommt. Der Wert beschreibt nicht den fertigen Whisky, denn beim Destillieren und Reifen geht ein Teil verloren. St. Kilian nutzt dafür Torfmalz aus den schottischen Highlands.
Gibt es Tasting Notes für Lucky und Punch?
Ja. Laut den offiziellen Verkostungsnotizen ist Lucky floral und weinig mit frischer Orange, Trockenfrüchten und karamellisierten Walnüssen und endet lang mit Vanille, Toffee und Walnüssen. Punch ist fruchtig mit roten Früchten und reifen Feigen, hat am Gaumen aschigen Rauch über einem cremigen Körper und endet lang mit dunkler Schokolade und eingebundenem Rauch. Die Beschreibungen der Fassarten in den übrigen Abschnitten sind allgemeines Hintergrundwissen.
Wo bekomme ich Lucky & Punch?
Nur auf Spiritory, einem Bid und Ask Marktplatz für Whisky und Spirituosen mit Sitz in München, der innerhalb der EU versendet. Von beiden Whiskys gibt es je 500 Flaschen à 500 ml.
Über den Autor

Janis Wilczura
I'm one of Germany's leading whisky experts, featured in Handelsblatt and BILD. To me, whisky is craftsmanship and art.
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